Eine philosophische Frage zum Frühstück

Mich beschäftigt mal wieder die Frage „Warum ist Essen für sooo viele ein Thema, wo sie sich persönlich angegriffen fühlen?“ Ich lese viele Beiträge und deren Kommentare hier auf FB und in anderen Foren. Und sehr, sehr oft wird deswegen gestritten. Ja, für mich klingt es immer wie Streiterei. Egal ob die eine Seite beharrlich mit den neuesten Untersuchungen oder Studien darauf hinweist, dass die eigene Ernährung nun doch als gesund angesehen wird, oder ob die andere Seite versucht alles, was neu für einen ist, in den Sumpf zu ziehen oder sich selbst zu verteidigen.
Ich verstehe es nicht! Manchmal finde ich mich in diesem ganzen Wirrwarr wieder und ärgere mich über diese oder jene Aussage. Warum reagieren wir so krass darauf? Warum können wir Menschen nicht annehmen – ohne unseren Senf dazuzugeben – die keine Tiere essen genauso wie die die Tiere essen? Warum wird etwas ins Lächerliche gezogen? Warum geht jemand in Verteidigung oder Angriff über? Haben wir nicht schon genug Krieg auf diesem Planeten?
Ich liebe meine vegane Rohkost! Wenn ich aber Kochkost esse, dann esse ich öfter mal vegetarisch. Wenn ich essen gehe oder mit dem Bus nach Hause fahre, dann stört es mich nicht, dass jemand neben mir eine Leberkässemmel ist. Mich stört nur der Geruch, aber das trifft auch auf Parfum, Haarpflegeprodukte und andere Gerüche zu.
Warum reden wir so viel über Ernährung? Ist das das wirkliche Thema oder steckt etwas anderes dahinter? Geht es wirklich um die physische Ernährung oder fehlt das Nahrhafte auf anderen Ebenen? Wieso ist uns diese ständige Unterscheidung so wichtig? Ist es nicht nebensächlich wie sich jemand ernährt, wenn ich den Menschen als solches sympathisch, nett, großartig, interessant… finde? Es ist ja schließlich auch nebensächlich welche Filme jemand schaut oder welche Musik jemand hört oder wie jemand die Wohnung einrichtet oder welche Klamotten jemand trägt, oder nicht?
Ich drehe mich oft im Kreis mit all diesen Gedanken. Probiere in diese ganze Stimmung einzutauchen, hinein zu fühlen, in der Hoffnung etwas für mich verständliches zu finden. Meine Gedankenkreise ziehen sich aber immer weiter, zu den anderen so brandheißen Themen. Was hat diese Welle ausgelöst? Wo ist die Liebe für uns selbst und für andere hingekommen? Und die Gleichmütigkeit (nicht Gleichgültigkeit)? Die Achtsamkeit? Der innere Friede? Die Gnade? Oder waren sie nie da? Brauchen wir diesen ganzen Tumult um einen neuen Weg in der Entwicklung einschlagen zu können? Ist es wirklich von Herzen notwendig andere ständig auf etwas hinzuweisen, was sie besser oder anders machen könnten? Warum wird ständig diskutiert (gestern hab ich irgendwo „freundlich streiten“ oder so ähnlich gelesen?!?!?).
Vielleicht hat jemand eine Antwort für mich oder mag die eigene Meinung kundtun?
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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andrea sagt:

    In erster Linie reflektieren die Leute, wenn es darum geht, ob der Ernährungsstil „gut“ oder „schlecht“ bei einem anderen ist. Es wäre jetzt hier zu umfangreich darüber zu schreiben ( siehe auch Spiegelgesetz oder Gesetz der Resonanz ), aber letztendlich hast du mit deiner Frage Recht, indem du fragst „wo ist die Liebe mit uns selbst und den anderen hingekommen ?“ – durch das Fehlen dieser Selbstliebe bzw. Liebe zu den anderen beginnen wir zu meckern und zu nörgeln. Viele Teile in uns sind verletzt und können nicht aufgelöst oder bearbeitet werden, weil einfach zu schmerzhaft oder sie so versteckt sind dass man es nicht bemerkt. Aber man bemerkt, dass es dort und da nicht passt – es läuft etwas unrund…. Und da die Ernährung ein lebenswichtiges Thema ist, wird hier besonders hart be-und verurteilt. Jeder will Recht haben, jeder steht auf seinen Standpunkt und lässt keine andere Meinung zu. Und ja, wahrscheinlich ist dieser Tumult notwendig um wieder bei sich anzukommen und diese Achtsamkeit, Gnade, Gleichmut und Liebe wieder leben zu können.
    Alles Liebe ! Andrea

  2. Du sprichst mir aus der Seele! Man wird verurteilt wegen der eigenen Religion, wegen der sexuellen Einstellung, wegen der Hautfarbe…. und mittlerweile auch schon, weil man sich „falsch“ ernährt. Meiner Meinung nach gibt es kein richtig oder falsch was die Ernährung betrifft. Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch ernährt sich dadurch auch anders. Es gibt absolut keinen Grund, jemanden auf seine Ernährungsweise zu reduzieren! Aber so lange wir uns in diesem Überfluss an Lebensmitteln suhlen wird sich das auch nicht ändern…

  3. Katja sagt:

    Wenn die vermeintlich „Guten“ die „Bösen“ kritisieren, dann meiner Meinung nach aus zwei Gründen. Zum einen ist es die NEU erlangte Moral, die nun auf alle übergezogen werden muss, zum anderen ist es das eigene schlechte Gewissen, über Jahrzehnte selbst Teil des „Bösen“ gewesen zu sein. Sie richten den Zorn gegen sich also gegen „die anderen“ um sie aggressiv genug schnellstmöglich zu überzeugen und ihnen deshalb ihr teuflisches Handeln mit voller Wucht vor Augen zu halten.
    Auf der Gegenseite haben wir die angriffswütigen „Normalen“. Sie schützen sich vor der Moral der anderen, weil sie a) selber wissen, dass sie Einiges nicht richtig machen und b) wollen sie sich damit vor Erkenntnis, daher konstruktiven Gesprächen schützen. Damit ihr Leben nicht verändert werden muss, in seiner Struktur bleiben darf. Das müssen sie verteidigen. Und auch hier richtet sich das eigene schlechte Gewissen gegen die „anderen“. Es ist gewissermaßen der Kampf zwischen Neid und Einsicht. Das ganze nennt sich dann kognitive Dissonanz. Ein sehr interessantes Gebiet ;-).

    Bleib wie du bist. Emphatie, Verständnis und Mitgefühl schützen (meistens). Es hat ja jeder seine Geschichte und mit ihr seine Päckchen zu tragen.

    Liebe Grüße
    Katja

  4. Liebe Tilia,
    ich kann dich sehr gut verstehen. Überhaupt nicht verstehen kann ich wiederum, wieso sich die Leute ständig bekriegen müssen. Jedem das seine, oder, wie auch meine Oma sagt: Leben und leben lassen!
    Vermutlich steckt eigene Unsicherheit dahinter, das kann gut sein. Oder auch so eine Art „Wettbewerb“ oder Konkurrenzkampf. Ich hab die beste Ernährungsform – nein, ich!!
    Tja, ja. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber. 🙂
    LG

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